Moro Reflex

Der Moro Reflex (Schreckreflex) 

– oft verantwortlich für Ablenkbarkeit und Aggression

Der Moro-Reflex besteht beim Neugeborenen aus zwei Phasen und wird durch plötzliche Reize ausgelöst. Dies können zum Beispiel plötzliche Bewegungen im Gesichtsfeld, eine plötzliche Berührung, laute Geräusche oder ein plötzlicher Lagewechsel sein. In der ersten Phase spreizt das Kind Arme und Beine vom Körper ab, öffnet die Hände, legt den Kopf in den Nacken, öffnet den Mund und atmet ein. Dies ist die Phase, die den ersten Atemzug bei der Geburt unterstützt. In der zweiten Phase findet nach einem kurzen Erstarren eine Umkehr der Bewegungen statt. Der Kopf geht zur Brust, Hände, Arme und Beine schließen sich wieder. Das Kind atmet aus und es erfolgt eventuell ein Schrei.
Ein Kind, bei dem noch Restreaktionen des Moro-Reflexes vorhanden sind, kommt durch harmlose Reize in Alarmstimmung. Stellen wir uns vor, wir liegen in der Nacht im Bett und glauben in der Wohnung ein verdächtiges Geräusch gehört zu haben. Plötzlich nehmen wir auch das kleinste Knacken wahr, da wir uns vermeintlich in einer Gefahrensituation befinden. So ähnlich ergeht es dem Kind, dessen Moro-Reflex durch einen im Grunde harmlosen Reiz ausgelöst wurde. Seine Wahrnehmung ist geschärft. Es muss nun viel mehr Sinneseindrücke verarbeiten. Es ist unfähig unwichtige Informationen auszufiltern. Dadurch kann es sich nicht auf eine Sache konzentrieren. Das Kind nimmt eine Unmenge an Details auf und verliert den Überblick. Es sieht „den Wald vor lauter Bäumen nicht“. Wird es zuviel, schaltet es ganz ab und fängt an zu träumen. Vieles geht an dem Kind vorbei. Es kann dadurch eine eigenartige Mischung entstehen: Einerseits bekommt das Kind alles mit, was um es herum vorgeht. Andererseits gehen oft wesentliche Dinge an ihm vorbei.
Die Wahrnehmung ist nicht nur geschärft, sondern es bestehen häufig auch Probleme mit deren Verarbeitung. Dies verursacht eine zusätzliche Verunsicherung, da der Betroffene ständig auf widersprüchliche Informationen reagieren muss. Situationen, die sich immer in gleicher Weise wiederholen, sind besser einschätzbar und verursachen deshalb weniger Stress. Darum bevorzugen diese Kinder oft das Gewohnte und sträuben sich gegen Neues.
Soll ein „Moro-Kind“ einen Ball fangen, so löst dieser, wenn er auf das Kind zufliegt, eventuell eine Mororeaktion hervor. Dies bedeutet, dass sich die Arme erst etwas nach außen bewegen, bevor sie zum Greifen zusammenkommen. Diese Verzögerung kann das Fangen des Balls erschweren oder unmöglich machen. Stolpert ein solches Kind, so erschrickt es. Dies löst eine Mororeaktion aus: die Arme gehen kurz auseinander und bevor es sich abstützen kann, liegt es bereits auf der Nase.
Neben den sichtbaren Bewegungen des Reflexes werden auch unsichtbare vegetative Reaktionen ausgelöst, die weit gravierendere Wirkungen haben als die von ihm ausgelöste Bewegung. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Der Sympathikus, Teil unseres vegetativen Nervensystems, der uns auf Kampf oder Flucht einstellt, wird aktiviert. Diese vegetativen Veränderungen haben weitreichende Folgen und beeinflussen unser gesamtes Verhalten.
Sind Reste des Moro-Reflexes noch aktiv, so befindet sich der Betroffenen bereits durch relativ geringe Reize in einer vermeintlichen Gefahrensituation. Viele Kinder fühlen sich dadurch leicht angegriffen und agressiver. Ein Kind mit Restreaktionen eines Moro-Reflexes kann ein ängstliches Kind sein, das Probleme hat Kontakt zu finden, das sich zurückzieht. Oder wir sehen ein überaktives, aggressives Kind, das sich leicht aufregt und zu Wutausbrüchen neigt. Es neigt eher zum Angriff und kommandiert gerne.
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